Schon längst kein Fall mehr für Fashion, Beauty und Food allein

– Der Marketingkanal ist im stetigem Wachstum und die Prognosen für die nächsten Jahre sehen vielversprechend aus. Allein im DACH-Raum sind die Hochrechnungen bereits auf über 1 Milliarde € Umsatz bis 2020 prognostiziert worden. Nach einer Studie von Klear gab es im letztem Jahr allein einen Anstieg von 198 % weltweit. Weitestgehend dominant vertreten waren natürlich die klassischen Branchen wie Fashion & Beauty, ebenso hat sich der Bereich Food auch stark etabliert und somit zählten diese 3 zu den ersten Kategorien, wenn es um „Spendings“ ging. Doch wagen es viele weitere Branchen nach und nach, mitunter manche „Old-Fashion“, denen man es vielleicht nicht so früh zugetraut hätte.

Mittlerweile haben sogar das Gesundheitswesen aber auch Banken und Versicherungen das Influencer Marketing für sich entdeckt. Investiert wird bereits einiges und auch eine Raiffeisenbank betritt clever, wenn auch gewagt, das Spielfeld. Auf der Plattform Twitch hatte die Bank über einen Gamer ihre Giro-Konten beworben. Hier lag natürlich das Augenmerk auf der Audience, welche zum Großteil noch unter 16 Jahren alt war und kurz vor Abschluss ihres ersten Kontos stand.

Der Finanzbereich hat erkannt, dass man die Marke über Creator vermenschlichen kann und somit eine Zielgruppe anspricht, die man mit vielen Maßnahmen vorher nicht gerade erfolgreich hat ansprechen können. Themen wie Altersvorsorge, Lebensversicherungen und Darlehen können oftmals verwirrend und auch etwas langweilig sein. Gerade bei den jüngeren Generationen muss nun ein anderer Kanal gefunden werden, um das Vertrauen und das Interesse zu wecken. Indem Influencer die Brands mit einer persönlichen Story verbinden, können sie ein viel größeres Vertrauen aufbauen, welches klassische Print- oder Digital-Ads in dem Maß nicht können. Hier werden oft die Unternehmen mit ihren Produkten in einer persönlichen Life-Journey verbunden, in dem man Themen wie die Finanzierung seiner Hochzeit oder dem Traumauto freundlich und vertrauensvoll und mit so viel Authentizität wie nur möglich übermittelt. So gibt es Beispiele wie die Zusammenarbeit der Techniker Krankenkasse und dem YouTuber LeFloid, in dem er seine Geschichte vom Traumberuf Chirurg erzählt und ein Unfall ihn dazu zwang, neue Pläne zu schmieden.

Finanzdienstleister suchen Partnerschaften mit Influencern um sie bei ihren großen Lebensereignissen wie Hochzeiten und Weltreisen zu begleiten, um auf das Thema Sparen hinzuweisen. So hatte auch American Express in den USA mit Influencern während ihrer Renovierungsarbeiten oder beim Umzug zusammengearbeitet. Hier wurde die Nutzung des Features #PayItPlanIt vorgestellt, ein Ratenprinzip welches dir erlaubt, die Raten monatlich über den Kreditkartenanbieter ohne Zinsen selbst einzuteilen.

Weiterempfehlungen spielten schon immer eine große Rolle. Es gab eine Zeit in den Media-Outlets und Bewertungsportalen die einzig dafür da waren, Empfehlungen an den Mann zu bringen. Nun haben viele Branchen erkannt, dass dies noch viel authentischer und zielsicherer über Influencer geht. Große wie kleine Unternehmen haben die Wichtigkeit erkannt.

Doch Bedenken gibt es weiterhin. Ein großer Dorn im Auge war und ist weiterhin die große Ungewissheit der wirklichen Reichweite mit „Fake Followern“. Dieses Problem hat die Industrie ernst genommen und hat den Kampf aufgenommen. Sämtliche Plattformen gehen bei der Audience-Analyse in die Tiefe und beobachten genauestens das Verhalten der Follower. Der große Aufschrei von Unilever´s-CMO Keith Weed bei den Cannes Lions, in dem er verkündet hatte die Kooperation mit Influencer die Follower gekauft haben, zu stoppen, sollte nun jeden in der Branche aufgeweckt haben. Doch auch bereits davor haben Facebook und Instagram im großen Stil begonnen, „Fake Accounts“ zu löschen und bereits im Mai diesen Jahres waren es über 500 Millionen. Somit sollten wir davon ausgehen können, dass diese Bedrohung für die Glaubwürdigkeit des Influencer Marketings baldig kontaminiert sein sollte.

Es gibt aber dennoch Marketer, die einen letzten Konter-Punkt aufrecht halten. Das Image vom Frauen dominierten Marketing-Kanal besteht und wird von vielen als problematisch angesehen bei dem Versuch, zielgerecht zu werben. Fakt ist, die Dominanz von Frauen in Social Media ist Tatsache und auch das sie offener dafür sind, ihre persönlichen Informationen zu teilen und sich mit Familie, Freunden, Kollegen und Gleichgesinnten auszutauschen. Deswegen sind sie, wenig überraschend, die Mehrheit auf Facebook, Twitter, Pinterest und Instagram. Aber bei den Bedenken, nicht seine Zielgruppe erreichen zu können, sollte man auch das Konsumverhalten geschlechterverteilt noch einmal genauer betrachten. Laut dem Harvard Business Review haben Frauen Weltweit den Löwenanteil, wenn es um Konsumverhalten geht. Global handelt es sich hier um 20 Billionen Dollar. Zur Verdeutlichung: In den USA liegt der Anteil der gesamten 5,9 Billionen Dollar mit 4,3 Billionen allein bei den Frauen. Diese Zahlen können im jetzigen Gehälteranstieg für das weibliche Geschlecht in Zukunft noch extremer prognostiziert werden. Frauen sind größtenteils die Entscheider Zuhause, teilweise sogar, wenn es um Männer-Entscheidungen geht wie z. B. bei Fashion- oder Kosmetikartikeln. Deshalb, keine Scheu vor der Frauendomäne im Influencer Marketing. Nichts desto trotz gibt es auch für die „man-only“-Ecke eine extrem große Vielfalt in diesem Kanal und mit YouTube einen sehr beliebten Channel. Aber eigentlich existiert „men/women-only“ in diesem Sinne nicht mehr und Influencer gibt es für alle Sparten.

Muss man sich also überhaupt noch die Frage stellen, ob ein „NO“ zum Thema Influencer Marketing wirklich noch existieren sollte?

Quellen: www.forbes.com, www.digitaltrends.com, www.hbr.org, www.entrepreneur.com

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