MEIN AUSBLICK 2K19

– Auch wenn die yimify-Redaktion natürlich in Vorbereitungen steckt, um euch mit den neusten Entwicklungen der Industrie zu versorgen, möchte ich mich an dieser Stelle noch mit meinen Einschätzungen für 2019 bei euch zu Wort zu melden.

Anfang letzten Novembers hatten wir euch bereits ein paar, unserer Meinung nach, relevante Themen für 2k19 mit auf den Weg gegeben, relativ kurz und knapp. Dabei ging es konkret um klare Richtlinien zur Kennzeichnungspflicht, die Zukunft von Podcasts und den Kampf gegen Fake Follower. Bitte seht es uns nach, wenn sich auch immer etwas wiederholt aber zum einen können wir natürlich nicht davon ausgehen, dass jeder immer alles liest und zum anderen kann man bestimmte Dinge auch einfach nicht oft genug sagen – so lange, bis es auch jeder verstanden hat.

„Influencer Marketing ist nur ein Trend, auf den gerade alle aufspringen aber funktionieren tut das alles nicht so wirklich“?

Nur weil es bei euch bisher nicht funktioniert hat, heißt es ja nicht, dass es grundlegend nicht funktioniert. Vielleicht habt ihr es bisher einfach nur nicht richtig angestellt.

In den Staaten gibt es eine Studie für das Jahr 2017 die besagt, dass amerikanische Unternehmen für jeden ins Influencer Marketing investierten Dollar, $ 7.65 verdient haben. Noch Fragen? Warum sollte das hier nicht funktionieren?

Nur mal so als Grundlage: Laut der Hamburger Mediaagenturgruppe JOM, werden Unternehmen dieses Jahr satte 24 Milliarden Euro netto in Werbung investieren. Influencer Marketing, in Deutschland allein, wird dieses Jahr laut ihrer Prognose eine halbe Milliarde Euro schwer. Tendenz deutlich steigend. Andere gehen sogar schon davon aus, dass in der DACH Region wohl die Milliardengrenze angekratzt werden soll. Wäre wahrscheinlich anders, wenn es nicht auch ab und an funktionieren würde, meint ihr nicht?

Die Verschiebung der Werbespendings in Richtung Digital wird sich auch 2019 mit ungebremster Geschwindigkeit fortsetzen. Nach Einschätzung von JOM „werden vor allem die Vermarkter von Online-Bewegtbild und Adressable-TV profitieren. Die Markt- und Mediaforscher der Agenturgruppe glauben, dass immer mehr Werbekunden von der Möglichkeit, ihre Kampagnen über Youtube oder Mediatheken regional auszusteuern, Gebrauch machen werden.“

Wir haben alle immer weniger Zeit aber wir lieben es, unterhalten zu werden. Aus diesem Grund wächst das Videomarketing auf allen Plattformen und macht derzeit mehr als drei Viertel des gesamten Internetverkehrs aus. Videos fühlen sich authentischer an und es macht Spaß sie anzuschauen, weshalb Influencer weiterhin mit Videomarketing-Trends experimentieren werden. Influencer nutzen die ansprechenden Eigenschaften von Videoinhalten, die den Umsatz effektiver gestalten können als textbasierte Inhalte. Marken sponsern auch Live-Feeds von Influencers auf sozialen Plattformen, einschließlich Instagram und Facebook. Live gestreamte Influencer-Kollaborationen können Produkt-Unboxing in Echtzeit, Fragen und Antworten, Promotions von Aktionen und Reisezielen sowie Hintergrundaufnahmen bei Veranstaltungen beinhalten – es gibt unzählige Möglichkeiten. Der Schlüssel ist, es authentisch und einnehmend zu halten und kreative Markennamen in die Sendung aufzunehmen.

Aber wie eingangs schon gesagt, geht es auch immer öfter um mehr als (bewegte) Bilder.
#VOICE, und somit auch die Rubrik Podcast, sollte man unbedingt auf dem Schirm haben.

Wie Influencer vielleicht auch jenseits vom klassischen Product Placement eingesetzt werden, bleibt abzuwarten aber eine Vielzahl an Möglichkeiten ist auf jeden Fall gegeben. Hier sind allerdings auch die Unternehmen gefordert, auf redaktionelle und hochwertige Einbindungen zu setzen statt auf schlecht gemachtes Product Placement.

So werden Influencer sicherlich immer mehr zu Branded Content-Produzenten, etablieren sich als neues Employer Branding-Tool und werden wertvolle Mitarbeiter für Produktentwicklung und Marktforschung. Darüber hinaus ist eine Tendenz dahingehen spürbar, dass Unternehmen immer mehr Corporate Influencer etablieren werden und dass die Bereiche Influencer und E-Commerce immer mehr verschmelzen werden.

Der Schlüssel zum Erfolg ist, Influencer zu einem Teil des Marketing Teams zu machen und dann geht es im Wesentlichen immer ums Storytelling. Die besten Kampagnen entstehen, wenn eine Marke mit einem Influencer zusammenarbeitet, um einzigartige Inhalte zu erstellen, die das Publikum wirklich begeistern.

Das Credo muss lauten:
„Content may be king but context is queen and she holds the purse strings“.

Da die meisten Mikro-Influencer eine relativ kleine Zielgruppe haben, müssen Marken Wege finden, um die Wirkung ihrer Influencer zu vervielfachen. Zu diesem Zweck versuchen sie häufig, den Pool der von ihnen verwendeten Influencer zu erweitern. Einfach ausgedrückt: Sie möchten nicht alle Eier in einen Influencer-Korb legen. Die Verwendung mehrerer Influencer erhöht die Erwähnung von Produkten und die Bindung des Publikums an die Marke. Durch die Verwendung verschiedener Influencer können Sie verschiedene Zielgruppen erreichen und die einzigartigen Gestaltungsmöglichkeiten verschiedener Influencer für ein Produkt nutzen.

Je mehr Influencer eine Marke verwendet, desto komplizierter kann eine Kampagne werden. Bringen Sie sie an Bord und begeistern Sie sich für ein Projekt. Setzen Sie klare Erwartungen, geben Sie ihnen jedoch genügend Raum, um ihre Kreativität zu entfalten und sich mit ihren Anhängern zu beschäftigen.

Fakt ist: Werbungtreibende, Influencer, Agenturen und Dienstleister befinden sich in einem Prozess der Professionalisierung und müssen 2019 ihre Herangehensweise entsprechend verändern: Qualität vor Quantität!
Die jeweiligen Zielgruppen der Influencer haben keine Toleranz für Inhalte, die ihnen falsch oder halbherzig erscheinen. Diese Art von Marketing funktioniert nur, wenn ein Influencer authentisch ist, wie er ein Produkt bewirbt.

Tatsächlich suchen viele Marken nach Influencern, die ihre Produkte bereits einsetzen. Marken sollten, wenn möglich, ihre Influencer dazu bringen, Feedback zu den von ihnen beworbenen Produkten zu geben und über bestimmte Dinge zu sprechen, die sie daran mögen, wie sie sie im Alltag einsetzen, und andere interessante Kleinigkeiten oder Erkenntnisse über das Produkt teilen.

Im Zuge dieser Professionalisierung sollten wir auch nicht die technische Entwicklung außer Acht lassen. Laut einiger Experten werden künstliche Influencer wohl mehr an Bedeutung gewinnen. Sicherlich ein aufkommender Trend, den man im Auge behalten muss. Dieser Trend wurde durch die Schaffung des ersten „fiktionalen Mädchens“ des Internets und des virtuellen Influencers Miquela Sousa oder Lil Miquela ausgelöst. Sie ist ein 19-jähriges Model, das in Los Angeles lebt. Ihr Instagram-Feed enthält zahlreiche Posts, die ihre Fashionista-Outfits hervorheben. Sie hat auch eine Reihe ihrer eigenen Songs auf Spotify veröffentlicht und auf Instagram mehr als 1,5 Millionen Follower gesammelt. Ich glaube allerdings, dass dieses Thema in unseren Breitengraden vorerst eine Nische bleibt und 2019 nicht signifikant an Bedeutung gewinnen wird.

Des Weiteren wird künstliche Intelligenz (KI) bei der Thematik „Fake Follower“ für mehr Transparenz sorgen – genau so wie es neue Möglichkeiten in Sachen Effizienz und Wirkungsmessung von Influencer Marketing-Kampagnen geben wird. Wer ist die Zielgruppe, wie hoch ist die Reichweite eines Posts und was bewirkt er?

Laut einer Studie der Point-North-Gruppe sind bis zu 20 Prozent der Follower der mittleren Ebene der Influencer wahrscheinlich „fake“. Ja, wahrscheinlich. Ob man dem Glauben schenken muss, sei mal dahingestellt aber auch unabhängig davon sollten Marken „ihre“ Influencer gründlich prüfen und zur Rechenschaft ziehen. Sie müssen über die reine Zahl der Follower und Likes hinausschauen und die Qualität der Interaktion der Influencer mit ihrem Publikum bewerten.

Bezüglich gesetzlicher Richtlinien sind wir, Stand heute, ja schon wieder in bisschen voran gekommen aber auch hier wird sich dieses Jahr sicherlich noch einiges tun, genau so wie auch in Sachen Payment.

Im Fazit unseres letzten Blogbeitrags hieß es unter anderem auch, dass man stetig ein Auge darauf haben sollte, „welche neuen Trends sich entwickeln“. Klar: Instagram gilt nach wie vor als das wichtigste soziale Netzwerk für Influencer-Marketing, vor allem wegen seiner enormen Nutzerbasis und seiner „leicht verdaulichen“ Videoinhalte. Aber natürlich ist es nicht die einzige Plattform. YouTube ist ebenfalls voller potenzieller Influencer – insbesondere, wenn Sie eine noch jüngere Zielgruppe ansprechen.
Facebook, Pinterest und Snapchat Influencer Marketing wächst ebenfalls. Blogs bleiben hinter Instagram und Facebook zurück, sie sind jedoch in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Viele Influencer auf Social Media nutzen die Blog-Form für wortlastigere Inhalte. In diesen Blogs werden Produkte und informativere, detailliertere Inhalte präsentiert.

In a nutshell:
In der Zusammenarbeit mit Influencern MUSS Fokus auf den Aufbau von Beziehungen gelegt werden, das Motiv für Influencer-Marketing MUSS deutlich über „Reichweite“ hinaus gehen. Nachhaltigkeit ist auch hier, wie in vielen anderen Bereichen, das Stichwort.

Auch wir haben natürlich den Spiegelbericht Ende letzten Jahres mitbekommen, wo das Aus für „unsere Branche“ prognostiziert wurde. An dieser Stelle würde ich gerne noch mal auf den Beginn dieses Beitrags verweisen. Diese Zahlen lügen nicht, noch habe ich sie mir ausgedacht. Gerade wir hier in Deutschland stehen noch ziemlich am Anfang unserer Möglichkeiten.

Du hast ein Produkt das altersmäßig die auf Instagram und Co. befindliche Zielgruppe anspricht? Dann MUSST du dort auch stattfinden. Klar geht es auch ohne aber so bleiben extrem viele Möglichkeiten ungenutzt liegen.

Klar funktionieren Printanzeigen aber steht deren Reichweite im Verhältnis zum Preis?
Jetzt ist die Zeit! In fünf Jahren, wenn auch die ganzen Konzernriesen auf den Zug aufgesprungen sind, werden sich die Kleinen die aufgerufenen Preise, für die Reichweite, die sie heute locker bedienen könnten, nicht mehr leisten können. Das ist ein sich immer wiederholendes Spiel.

Mit anderen Worten – und um wieder auf den Spiegelartikel zurück zu kommen – ein Aus der Branche ist sicherlich Nonsens, aber es muss unweigerlich zu Veränderungen kommen. Erstmal springen alle auf den Trendzug auf aber letztendlich wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Qualität wird sich durchsetzen. Und natürlich sagt keiner, dass man jetzt nur noch alles auf dieses eine Pferd setzen sollte aber es gar nicht am Rennen teilnehmen zu lassen, ist auch nicht der richtige Ansatz.

Influencer Marketing ist erfrischend und, wenn richtig umgesetzt, eine notwendige Ergänzung. Die Branche braucht einfach viel mehr Anerkennung und muss viel differenzierter betrachtet werden. Das Wort „Influencer“ ist bei vielen ja schon zum Schimpfwort mutiert. Man sollte aber nicht alle über einen Kamm scheren! Es muss sorgfältiger diskutiert werden. Sehr viele Influencer nehmen ihren Job sehr ernst und wollen sich mit ihrem Tun etwas aufbauen. Sie investieren sehr viel Zeit, Know-how und Mühe in ihre Beiträge, die sich oftmals nach journalistischen Standards messen lassen.

Zudem bin ich mir sicher, dass um Influencer herum noch ganz andere Businessmodelle entstehen und dass sie sich vermehrt darum Gedanken machen werden, wie sie ihre Reichweite über Kooperationen hinaus monetarisieren können.

Nennt es „wir kaufen uns eine Zielgruppe bevor sie unser Produkt kaufen“, nennt es „Influencer Marketing“, nennt es wie ihr wollt. Aber am Ende des Tages geht es darum Gespräche zu führen, die letztendlich die Beliebtheit von Marken in der Online-Welt steigern werden. Warum? Weil wir wissen, dass die Verbraucher zu uns kommen werden, wenn wir erst mal die beliebtesten sind.

Man nennt das Brand Building.

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